Montag, 24. September 2012

Montag, 24.9., Nikolaikirche, Spandau


Heute haben wir die Nikolaikirche in der Spandauer Altstadt besucht. Sie stand ursprünglich auf einem Hügel sehr viel höher als die anderen Gebäude Spandaus. Nur wenige Gebäude in der damaligen Zeit wurden aus Steinen (Feldsteinen) gebaut. Während die Häuser der umliegenden Häuser entweder zerfallen oder durch Kriege zerstört worden sind, ist die Nikolaikirche stehen geblieben und hat über die Jahrhunderte alle architektonischen Moden mitgemacht. Auf den Resten der alten Häuser wurden neue Häuser gebaut, so dass die Kirche heute auf gleicher Höhe mit den anderen Häusern der Altstadt steht. Wie muss Spandau damals ausgesehen haben. Bei Ausgrabungen für die U-Bahn wurden die Fundamente der alten Häuser gefunden. Sie liegen mehr als zwei Meter unter dem heutigen Niveau!!!









An den Mauern kann man die Feldsteine erkennen, aus denen noch große Teile des Sockels bestehen. Feldsteine befinden sich in rauhen Mengen in der Erde des Havellandes. Sie sind mit den Gletschern während der Eiszeit hierher geschoben worden und waren den Bauern wie heute auch noch, sehr lästig. Was die Bauern aus der Erde holten und an die Seite der Felder legten wurde zu Häusern und Straßen verbaut. Wenn bei Bränden die ganze Stadt abbrannte, blieb die Kirche, weil sie aus Stein war, zum größten Teil stehen. Zerstörte Teile wurden ausgebessert, das machte man anfangs natürlich auch mit Steinen. Oben sieht man die schwarz verbrannten Feldsteine. Später bevorzugte man Ziegel um zu bauen. Ziegel bestehen aus in Formen gepresstem gebranntem Ton. In der Gegend um Berlin gibt es eine Menge Tonvorkommen und so waren die Ziegel ein guter Ersatz für die Feld-und Kieselsteine. Ton gibt es in verschiedenen natürlichen Farben: rotbrennend, gelbbrennend und weißbrennend. In der Nikolaikirche wurde , wie wir beobachten konnten, roter und gelber Ton benutzt. Noch haltbarer wird Ton wenn man ihn nach einem Schrühbrand um 1000 Grad noch einmal mit 1200 Grad brennt und dabei vielleicht sogar noch glasiert, wie man hier am Sockel sehen kann. Durch die Glasur ist der Ton absolut wasserdicht.
Bei einem genauen Rundgang um die Kirche und im Eingangsbereich konnten wir die unterschiedlichen Materialien gut beobachten und haben diese Fotos gemacht.




Die Nikolaikirche ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit einem Chor und einem Westturm.Die gotische Bauweise ist eine Skelettbauweise. Nicht die Wände tragen die Last des Gebäude sondern Pfeiler und Säulen. Anstatt durch Wände wird das Gewicht des Gebäudes durch Strebepfeiler gestützt, die sich bei der Nikolaikirche direkt an der Fassade befinden. Hier kann man auch gut den gotischen Spitzbogen sehen. Die großen bunten Fenster bringen viel Licht in die Kirche. Je höher eine gotische Kirche war, desto näher waren die Gläubigen bei Gott, deshalb versuchte man immer höher zu bauen. Wie viele Menschen gestorben sein müssen, wenn die Konstruktion der Kreuzrippengewölbe beim Einsetzen des Schlusssteins zusammengebrochen ist?Nachdem wir die Kirche von außen erkundet hatten, durften wir das Innere erforschen.Das schönste war, dass wir den Dachstuhl der Kirche besichtigen durften. Das Dach der Kirche liegt ohne feste Verbindung auf der Kirche auf. Das ist notwendig, weil Holz und Stein völlig unterschiedlich auf Witterung und Temperaturunterschiede reagieren. Holz dehnt sich aus, zieht sich zusammen, der Stein bleibt ganz starr. Hätte man das Dach mit der Kirche fest verbunden, hätte das Holz die Steinmauern zerstört. Damit das Dach auf der Kirche liegen bleibt, muss es mit schweren Tonziegeln gedeckt werden, die das Dach beschweren, so dass es nicht weggeweht wird. Der Dachstuhl hat mehrere Brände der Kirche überlebt. In einer dendrochronologischen Untersuchung, bei der die Jahresringe eines verwendeten Holzes mit anderem Bauholz aus der gleichen Umgebung verglichen werden, kann festgestellt werden wie alt so ein Baumaterial wirklich ist und hier ist das Holz teilweise wirklich genauso alt wie die Kirche! Also fast 800 Jahre alt!!!
So sehen die Kappen, das Mauerwerk zwischen den Kreuzrippen, von oben aus! Dass das noch immer hält?!

Ein Laie kann das Alter eines Holzes nicht erkennen, eine dendorchronologische Untersuchung  vergleich die Jahresringe mit anderen verbauten Hölzern in der gleichen Umgebung und kann dann genau feststellen, aus welcher Zeit das Holz stammt.

So sieht der Dachstuhl der Nikolaikirche über dem Chor aus.

Die Dachbalken werden nur mit Holzdübeln zusammen gehalten.  Nur so kann eine Holzkonstruktion lange leben, denn Balken und Dübel sind aus dem gleichen Material und haben die gleichen Eigenschaften.
Lange lauschten wir dem Klang des Innernraum der Kirche, einige Schüler aus dem Chor haben sogar gesungen, um den Klang des Raumes zu suchen und durch den Gesang deutlicher zu machen. Die Lage der Kirche in Richtung Osten wurde mit der Ausrichtung von Moscheen verglichen, geredet wurde über die unterschiedlichen Gebetshaltungen heute, damals und in anderen Religionen. An dem alten Taufbecken unterhielten wir uns über die Reinigung durch das Wasser, den tiefen Glauben der Menschen damals, über das Abendmahl, das im Altarbild abgebildet war , über die praktische Durchführung von Taufen heute und früher, über Konfirmation und kirchlicher Hochzeit.
Zum Abschied konnte jeder, der wollte, eine Kerze in die Asche stecken.


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